Regionalvermarktung in Leipzig – Ein Rückblick vom dritten Forum „Gutes Essen für Alle“

Am 10. November 2020 lud der Ernährungsrat Leipzig zum dritten mal in diesem Jahr zum Forum „Gutes Essen für Alle“ ein. Die Themen dieses Forums: Regionalvermarktung und Regionalmarkenentwicklung. Jasmin Pasternak und Ludwig Karg lieferten als Gastsprecher*innen mit Impulsvorträgen spannenden Input zu beiden Themen.

Dieses dritte Forum wurde von der AG Wertschöpfungsketten des Ernährungsrats ausgerichtet. Die AG hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht regionale Produzent*innen zu unterstützen. Eine erste Befragung regionaler Erzeuger*innen durch den Ernährungsrat im vergangenen Jahr deutete an, dass die Etablierung einer Regionalmarke von Bedeutung für diese Erzeuger*innen sein könnte. Nach einem intensiven Austausch mit der bayerischen Regionalvermarktungsinitiative UNSER LAND im Oktober, freute die AG sich Ludwig Karg, einen der Mitinitiatoren von UNSER LAND, als Gastsprecher für das Forum gewinnen zu können und das Thema der Regionalmarkenentwicklung damit weiter zu forcieren.

Ludwig Kargs Vortrag handelte dementsprechend davon, wie sich die Idee der Regionalmarke UNSER LAND auf den Leipziger Raum übertragen ließe – oder eben nicht. Denn die Kernaussage seines Vortrags war, dass das Konzept von UNSER LAND sich niemals 1:1 auf eine andere Region übertragen lassen könnte. Vielmehr muss eine Regionalmarke in vielen Bereichen spezifischen Eigenschaften der Region angepasst werden. Zielgruppenorientierte Arbeit, also das Eingehen auf die Menschen in der Region und ihre wirklichen Bedürfnisse, ist seiner Meinung nach das wichtigste, wenn es darum geht, eine Regionalmarke aufzubauen. Dabei sollte im Kopf behalten werden, dass das eigentliche Produkt nicht im Fokus der Konsument*innen steht, sondern z.B. der blühende Baum, der durch den Kauf gepflanzt wird. Das ist seiner Meinung nach das Erfolgsgeheimnis: nicht das Produkt selbst verkaufen, sondern seinen Zusatznutzen für die Region. Außerdem wichtige Punkte, die beim Aufbau einer Regionalmarke berücksichtigt werden sollten: Marketing und die Kommunikation der Marke nach außen, die Struktur hinter der Marke sowie ihre Logistik und vor allem das Miteinbeziehen von neuen, innovativen Vertriebswegen.

Einen neuen Absatzweg für regionale Produzent*innen stellt zum Beispiel das Konzept der Marktschwärmer dar, das Jasmin Pasternak in ihrem Vortrag vorstellte. Marktschwärmer ist ein Netzwerk aus mehr als 1200 sogenannten „Schwärmereien“ in sieben Ländern Europas. Konkret besteht das Konzept aus einem Onlineshop und einer wöchentlichen Verteilung der Produkte in einer „Schwärmerei“, die einem Bauernmarkt ähnelt. Regionale Produzent*innen bieten wöchentlich ihre Produkte auf der Onlineplattform an. Die Konsument*innen haben so die Möglichkeit nach Verfügbarkeit regionale Produkte zu bestellen und auch online zu bezahlen. Einmal pro Woche findet die Verteilung der Produkte in der Schwärmerei statt. Der Wunsch hinter diesem Konzept ist ein regionales und saisonales Angebot zu schaffen und dabei die Region zu unterstützen. Unter dem Motto „Bauer to the people“ soll gleichzeitig die direkte Beziehung zwischen den kleinen Erzeuger*innenbetrieben und den Verbraucher*innen gestärkt werden. In Leipzig gibt es aktuell zwei Marktschwärmereien. Jasmin Pasternak ist selbst Gastgeberin der Marktschwärmerei auf der Feinkost. Rund 18 Erzeuger*innen aus der Region bieten dort ihre Produkte für etwa 70 Kund*innen an (Stand: Oktober 2020).

Beide Vorträge haben wichtige Impulse für die weitere Arbeit der AG Wertschöpfungsketten geliefert!

Du hast Interesse an dem weiteren Prozess der Regionalmarkenentwicklung beteiligt zu sein? Dann komm gerne zum nächsten AG Treffen am 30. November um 18 Uhr. Für die Zugangsdaten zum Online-Konferenzraum schicke eine E-Mail an wertschoepfung@ernaehrungsrat-leipzig.org